Praxiseinrichtung: Wartezimmer

Veröffentlicht am: 15.07.2019

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Ein Patient, der in der Arztpraxis einen Termin vereinbart hat und zu diesem Termin pünktlich erschienen ist, wird sich ärgern, wenn er eine Weile warten muss. Lange Wartezeiten in der Praxis werden meist als Zeitverschwendung empfunden und werden laut einer Studie der pronova BKK als der häufigste Grund für eine negative Praxiserfahrung genannt.

Meist ist aber das Warten trotz einer ordentlichen Planung unvermeidbar. Im Durchschnitt verbringt jeder Deutsche im Wartezimmer 27 Minuten pro Arztbesuch, laut einer im Auftrag des Bundesverbandes der Betriebskrankenkassen durchgeführten Befragung. Wenn es nicht immer gelingt, die Wartezeiten zu verkürzen, wie kann man diese für die Patienten mindestens verschönern? Mit einem gut organisierten und eingerichteten Wartezimmer kann man dies wesentlich beeinflussen.


"Nichts zu suchen!"

Als erstes sollte das Wartezimmer gut erreichbar sein. Am besten ist es neben dem Eingang und dem Empfang zu liegen und davon aus schnell zugänglich zu sein. Das WC für Patienten und Besucher soll sich ebenso in der Eingangszone befinden, damit es danach nicht gesucht werden muss. Für den Fall, dass es bei einem Patienten ein Verdacht auf eine ansteckende Krankheit besteht, wären kleine abgesonderten "Quarantäne-Räume" sinnvoll. Dies hilft, Infizierungsrisiko der anderen Patienten zu minimalisieren.


Immer im Kontakt

Der nächste Punkt, der zu beachten ist, besteht in Einsehbarkeit und Transparenz. Optimal ist eine Abtrennung des Wartebereichs mittels Glaswände und Glastüren, die unten bis zur Hälfte mit einer matten Sichtschutz-Folie bedeckt werden können. Einerseits werden dadurch Komfort und Privatsphäre der Patienten geachtet, andererseits kann das Empfangspersonal den Kranken im Auge behalten und bei Bedarf ihm Hilfe leisten. In einem gewöhnlichen Zimmer mit undurchsichtigen Wänden kann der Patient dagegen ein Gefühl bekommen, vergessen worden zu sein.

Dabei sollten aber selbstverständlich die Datenschutz-Richtlinien eingehalten werden. Der Wartebereich sollte organisatorisch von dem Empfang und den Behandlungsräumen getrennt sein. Die wartenden Patienten dürfen keine Informationen über andere Patienten einsehen können. Entscheidet man sich für die Glastüren bzw. Glaswände, dann ist es sicherzustellen, dass Faxgeräte und Computerbildschirme so aufgestellt werden, dass sie durch das Glas nicht eingesehen werden können.


Möbel im Wartezimmer

Von großer Bedeutung sind für Praxis-Wartezimmer ergonomisches Möbel, farbliche Gestaltung und richtiges Licht. Für die Schaffung einer positiven Stimmung und der Entspannung ist eine heimische Atmosphäre sehr hilfreich. Helle und warme Farbtöne der Wände, viel Luft und Licht sowie grüne Zimmerpflanzen bringen dazu viel bei.

Die Sitzmöglichkeiten müssen bequem, mit angenehmer Haptik und in genügender Anzahl vorgesehen werden. Stühle, Sessel und Sofas aus Holz und Textilien passen vortrefflich zu diesem Zweck. Zusätzliche Stapelstühle können behilflich sein, wenn sich mal viele Patienten im Wartezimmer sammeln. Abstelltische und eine Garderobe sollten möglichst auch nicht fehlen. Nicht selten sollten die Patienten einige Unterlagen, Formulare, Zustimmungen usw. ausfüllen. Ein kleiner Tisch wäre hierfür hilfreich.

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Farben im Wartezimmer

Wie schon erwähnt, sorgen Wände in den hellen warmen Farben sowie Pastellfarben für ein entspannendes Ambiente. So, Olivgrün beruhigt, harmonisiert und erfrischt. Weiß, Hellgelb, Pfirsichrot und Beige werden auch positiv wahrgenommen. Die Oberflächen der Sitzgelegenheiten können hingegen dunkle warme Farben haben und dadurch einen angenehmen Kontrast zu den Wänden bilden.

Um eine gemütliche Atmosphäre zu unterstützen, kann man das Wartezimmer mit Zimmerpflanzen begrünen. Sie wirken besänftigend auf die Menschen und reinigen dazu die Luft. Seien Sie aber bitte vorsichtig: einige blühenden Pflanzen können Allergien erregen.

Als Dekor-Elemente bzw. als ein bunter Strich an der Wand können im Wartezimmer Leinwandbilder oder Banner mit Naturmotiven aufgehängt werden.


Licht und Luft im Wartezimmer

Richtige Lichtausstattung trägt einer gemütlichen Wohlfühl-Atmosphäre bei. Ideal ist eine Kombination von warmer Allgemeinbeleuchtung und indirekter Beleuchtung. Viel Tageslicht lässt den wartenden Patienten bequem und gesund lesen, ohne Augen anzustrengen. Die Lichtquellen mit dem indirekten (und evtl. farblichen) Licht erzeugen harmonische Stimmung und werden als beruhigend wahrgenommen.

In Räumlichkeiten, wo die kranken Menschen einige Zeit verbleiben müssen, also im Wartezimmer, muss natürlich für frische Luft gesorgt werden. Fenster müssen für Belüftung schnell zu öffnen sein und ausgiebige Frischluftzufuhr gewährleisten. Einsatz eines kompakten Luftwäschers wäre ein großes Plus. Wichtig für die Beluftung ist auch ausreichend freier Platz im Raum, deswegen sollte man den Warteraum mit dem Möbel nicht überfüllen.


Ablenkung verschaffen

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Für Angstpatienten sind lange Wartezeiten oft eine zusätzliche Belastung. Um Ablenkung zu verschaffen, ist es sinnvoll, in dem Warteraum einen Prospektständer oder ein mobiles Regal mit Lesestoff einzurichten. Hier bieten sich ansprechende Ablenkungsmöglichkeiten an: interessante Zeitschriften, frische Tageszeitungen, Magazine oder kleine Geduldspiele wie z.B. Sudoku. Informationsbroschüren zu medizinischen Themen können für Patienten auch vom Interesse sein.

In manchen Praxen installiert man darüber hinaus einen Fernseher oder lässt im Hintergrund entspannende Musik sehr leise klingen. Zunehmend bieten Arztpraxen im Wartezimmer einen frei zugänglichen WLAN-Internetzugang.

Sehr fürsorglich ist es, den Patienten etwas zum Trinken anzubieten. Ein Wasserspender oder ein Regal mit Wasserflaschen, Gläsern und Servietten werden stets dankbar benutzt.


Ist eine Kinderspielecke im Wartebereich sinnvoll?

Auch wenn Sie kein Kinderarzt sind, gehört es zum guten Ton, eine Kinderecke im Wartezimmer einzurichten. So bekommen auch die Kinder, die u.U. ihre Eltern begleiten, eine sinnvolle Beschäftigung. Ein Tisch und Stühle in passender Größe, darunter ein kleiner Teppich. Malbücher, viel Papier und genügend Buntstifte mit einem Spitzer sind bei Kindern sehr beliebt und dabei extrem einfach zu besorgen. Kinderbücher, Spielzeugautos sowie Bausteine würden für noch mehr Freude bei den kleinen Besuchern sorgen.

Kinder- sowie Jugendarztpraxen sollten der Einrichtung ihrer Kinderecken noch mehr Aufmerksamkeit schenken: bequeme Sitzkissen, etwas mehr Spielsachen oder Tischspiele und natürlich genug Platz für Bewegung. Eine kleine Rutsche und Bobby-Cars werden bei den Kleinen für Begeisterung sorgen. Wichtig ist für die Kinderbereiche, dass der Raum mit allen gehörigen Spielsachen regelmäßig desinfiziert werden.


Hygiene im Wartezimmer

Und was ist mit Hygiene im Wartebereich? Aktuelle Hygienestandards, regelmäßige Reinigung und Desinfektionsmaßnahmen bilden einen Knotenpunkt jeder Arzt-Praxis. Im praxiseigenen Hygieneplan sollte der notwendige Umfang der Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen für alle Räumlichkeiten inkl. Wartezimmer festgelegt werden.

Aber nur richtiges Verhältnis zwischen Sterilität und Wohnlichkeit kreieren das Wohlgefühl bei Menschen, die sich im Wartezimmer aufhalten müssen. Und wenn sich der Patient dort gut aufgehoben fühlt, kommt er bei Bedarf gerne wieder und trägt zum guten Ruf Ihrer Praxis bei.







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